Der Lkw-Fahrer

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Guten Tach, ich bin ein LKW-Fahrer. Ich fahre in einem Tanklastzug, in dem Nitroglycerin ist. Der Zug entspricht übrigens nicht den Vorschriften. Naja. Ich sag also zu meinem Scheff, nee, also, so geht dat ja wohl nich, jetz. Der Chef sagt, das hat schon alles seine Richtigkeit so. Denn: Wenn ich ordentlich fahre, kann ja eigentlich gar nichts passieren. Ich bin auch ordentlich gefahren, denn ich muss ja auch Geld verdienen. Mein Arzt hat mir nämlich Kaviar verschrieben, sag ich immer. Das stimmt allerdings nicht ganz, aber ich habe mir mal so ne Mickimaus-Zeitschrift gekauft und in der war so ein Scherz-Blanko-Rezept drin, da habe ich Kaviar draufgeschrieben, und seitdem muss ich Kaviar essen jeden Tag, damit ich satt werde und meine Familie. Kaviar hat ja nun wenige Vitamine, deshalb müssen wir immer besonders viel essen, damit wir keinen Skorbut kriegen. Natürlich nehm ich keinen Billigkaviar, ausem Plus oder so, sondern lasse immer welchen einfliegen aus der Sowjetunion. Also so alten. [Anm. d. Verf.: Die alten Jahrgänge Kaviar sind sehr teuer, weil sie noch in den Kolchosen auf den straffen Schenkeln kittelbeschürzter Arbeiterommas gerollt worden sind.]

Deshalb brauch ich das Geld. Es gibt ja bei uns auch so Verhaltensregeln, an die ich mich halten muss, dann kann fast nix passieren. Zum Beispiel hätte ich einmal fast nen Unfall gebaut und wäre selber draufgegangen, wenn ich mich nich noch im letzten Moment an die Regeln erinnert hätte. Da rase ich also mal durch so ne verkehrsberuhigte Zone, denn unsere Zeitpläne sind sehr knapp gesteckt. Da springt so ein kuschliger Hundewelpe auf die Straße, ihm hinterher ein blondgelocktes Fünfjähriges. Klar, alle anderen wären da panisch geworden und hätten das Steuer rumgerissen irgendwie und so, aber ich habe mich noch dran erinnert und habe dran gedacht und bin dann einfach durch, über das Fünfjährige und den Hund rüber und hab den Zug dann langsam ausrollen lassen. Von denen ist nix mehr übriggeblieben, aber, mein Gott?! Wat soll ich machen? Die Mutter von dem Fünfjährigen war auch sehr einsichtig und hat gleich gesagt, ach, ihre Schuld und hat mich zu nem Kaffe eingeladen. So ham wir uns kennengelernt.
Nö, sie war auch gar nich so bös drum, dass ich das Fünfjährige umgebracht, wenn nicht sogar getötet hatte. Es war nämlich gar nicht ihr leibliches Kind gewesen. Es war adoptiert! In Wirklichkeit war es einer aus der Mafia, der aber ausgestiegen war und gegen seine Organisation ausgesagt, ja regelrecht gesungen hatte. Deshalb wurde ihm durch das Zeugenschutzprogramm eine neue Identität verpasst und ihm die Ausweispapiere des Fünfjährigen gegeben. Die Frau war nicht allzu glücklich mit ihrem neuen Sohn, denn das Früchtchen rauchte dauernd teure Zigarren und nahm irgendwelche Nutten mit ins Kinderzimmer. Aber jetzt war es ja tot und sie hatte ja mich. Sie wollte mich auf meiner weiteren Odysse begleiten. Die nette Mutti hieß Drosophila Schulze.

Wir fuhren also zusammen durch den brasilianischen Regenwald, um das Nitroglycerin sicher zur Britischen Botschaft zu bringen. Es gab nur leider keine Straße, so musste ich so frei nach Schnauze durchs Unterholz rattern und dabei immer gekonnt den Bäumen ausweichen. Einmal sagte ich, dat gehört hier allens abjeholzt!, da ist die total ausgeflippt und hat gesagt, nein, das wär wichtig, weil sonst der Nordpol schmilzt und wir deshalb ersticken oder so. Ich wollte auch keinen Streit mit der und habe gesagt, naja, wir können ja auch Möwel aus Kunststoff machen zum Beispiel. Und was sacht sie da? Nein, das geht auch nicht, denn das wo man Kunststoff draus macht, ist irgendwie mal Tiere gewesen, Saurier oder so, und jetzt gibts ja wohl keine Saurier mehr, deshalb kann man aus ihnen keinen Kunststoff machen. Die Resursen müssen geschützt werden!!
Ich sag, naja, meinetwegen, mer kann ja auch ohne Möwel und ohne Holzbaukasten oder Kunststoffbaukasten auskommen, wenn wir sonst sterben.
Da kamen auf einmal so Eingeborene rausgesprungen und das war ganz furchtbar. So Wilde warn das, die hatten ein Loch in der Unterlippe und da durchgesteckt hatten sie eins ihrer Beine. Die haben so Speere auf uns geschmissen und wir natürlich Angst, da zieht die auf einmal eine Pistole und sagt, sie will sich jetzt umbringen und schießt sich dann voll in Kopf. Ich kann ja nicht anhalten und fahre deshalb mit meinem Nitrolaster voll in son Loch rein, sone Falle, die die für Elefanten gegraben haben. Tja, das Nitrolützerin is natürlich explodiert und wir sind alle tot gewesen.
Nee, kleiner Scherz. Ich dacht natürlich, jetzt explodiert der Tank, weil der Tank is dann so aufgegangen und rausgekommen is awer Himbeersirup, Ich wunder mich natürlich. Da fangen die Eingeboren auf einmal an zu lachen und die Frau lebt wieder und schmunzelt und sagt da ist die Kamera, willkommen bei unsrer neuen Show „Hamse dennde Kamera nich jesehn?“

Da warn die also alle so Lockvögel, die ham mich total reingelegt, also ehrlich. Wir ham uns dann vom Himbeersirup genommen und gefeiert, denn der Regenwald war im Studio für die Show nachgestellt. Ach, was ham die mich reingelegt, die Schlingel. Die Lümmel. Ich dacht ich würd sterben. Herrlich.

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