Jahresendansprache des Chefs

Wieder geht ein Jahr zu Ende und wieder ehrt unser Herr Luscher die (ein Jahr) alte Tradition einer Neujahrsansprache, dieses Mal schon einen Tag früher, da sich der Chef, ein notorischer Silvesterhasser, schon heute nachmittag in seinen schallgeschützten Bunker zurückzieht. Es folgt also die Neujahrsansprache des Vorsitzenden der Christian-Luscher-Tempel-Gesellschaft, Herrn Christian Luscher.

Sehr geehrte Damen und Herren und auch ihr, liebe Kinderchen!

Das vergangene Jahr hielt auch für den Christian-Luscher-Tempel Höhen der Lustigkeit und Tiefen der Trauer bereit, durch die oder um die herumzunavigieren für mich nicht immer einfach war. Eine erste traurige Nachricht erreichte mich im Januar, als ich erfuhr, dass mein väterlicher Freund J. D. Salinger, wie man so sagt, von hinnen gegangen war. Nachdem ich mich gefangen hatte, veröffentlichte ich prompt eine Kurzgeschichte, an der er und ich damals gearbeitet hatten: „Junge Erbsen, fein“.

Wohl um mich von der Trauer abzulenken, rief ich (ein paar Wochen vor Salingers Tod) erstmals bei einer Telefonquatschratgebersendung an und plauderte aus dem Nähkästchen, eine Tat, die ich mit einem falschen Namen und einem echten Problem im Oktober wiederholte.

Doch auch ich wurde angerufen, nämlich von unserer Bundeskanzlerin Andrea Merkel persönlich. Als im Juni der Bundespräsident Klaus Köhler zurücktrat, lud sie mich zu einem Treffen nach Berlin ein und trug mir seine Nachfolge an, ein Angebot, das ich natürlich dankend ablehnte. Wie man hört, hat sich für das Amt mittlerweile ein Dummer gefunden. Gleich darauf im Juli das gleiche Spiel: In Hamburg, wo der Luschertempel seinen Sitz hat, trat der Bürgermeister zurück, ein gewisser Oli irgendwas, und prompt rief mich die Merkel an und flehte händeringend um Hilfe. Wir wissen ja, wie es ausgegangen ist.

Gänzlich erfolglos war hingegen meine Bewerbung beim Grongprischongsongörovision. Alles war bereit: Das Kleid hatte ich geschneidert, die Gitarre lackiert und einen Song geschrieben – und es dummerweise vergessen, ihn einzureichen. Dankbarerweise konnten wenigstens Sie, die Tempelleser, meinen Beitrag, den Song „Alles geht vorbei“, hören.

Im September dann der nächste Schlag gegen meinen nun langsam mal anstehenden Weltruhm: Der Fernsehsender Sat.1, der schon vor zwei Jahren mein Ansinnen, eine Musicalverfilmung des Historienromans „Die Wanderhure“ in Angriff zu nehmen, knallhart abgelehnt hatte, bereitete nun seinerseits und völlig ohne meine Beteiligung einen Fernsehmehrteiler des Stoffs vor. Selbstverständlich machte ich den Tempelfans eine Arie des Hurenmusicals zugänglich.

Desweiteren erregte in der zweiten Jahreshälfte ein Buch die Gemüter, in dem mit an den Haaren herbeigezogenen Quatschargumenten ein geltungssüchtiger Sprücheklopfer gegen eine Minderheit hetzte. Sie wissen selbstverständlich, worum es sich handelt: um mein Sachbuch „Frauen – Alle in’n Sack und mitm Knüppel druff, damit mal Ruhe ist, hier“, das Sie in Auszügen auf dieser Website lesen durften.

Selbstverständlich gab es im Laufe des Jahres auch etliche hochgradig lustige Hörspielminiaturen und musikalische Geniestreiche, doch den Höhepunkt bildete in der Vorweihnachtszeit der prall gefüllte Sampler „Frohe Weihnachten mit Christian Luscher“, dem sogar knapp vorm Fest noch ein brandneuer Track hinzugefügt wurde. Zu Silvester schließlich hielt ich eine ergreifende Neujahrsansprache, in der ich das Jahr noch einmal Revue passieren ließ, einen Ausblick auf die kommenden Attraktionen gab und mich bei den Lesern des Tempels bedankte.

Also, was erwarte ich für das kommende Jahr, aller Voraussicht nach 2011? Nun, ich will es Ihnen sagen: Selbstverständlich werde ich wieder in Wirtschaft, Kultur und Tagespolitik herumpfuschen und alberne Songs schreiben. Eine besondere Stelle werden im kommenden Jahr die Hörspiele einnehmen. Wird es ein neues Album mit ebendiesen geben? Tja, man wird sehen. Jedenfalls kann ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, versprechen, dass das kommende Jahr im Tempel noch heiterer, noch mitreißender und noch inspirierender wird als überhaupt jemals ein Jahr irgendwo gewesen ist. Wir werden uns weiterhin anstrengen, Sie zu überraschen und zu verwundern, Sie zum Weinen und, ja vielleicht auch das eine oder andere Mal zum Lachen zu bringen. Denn für wen tut das Tempelteam all das hier? Sicherlich nicht für die Bezahlung, denn diese Leute kriegen keinen roten Heller von mir. Sie tun es für Sie, die Tempelleser. Die Fans! Wir leben von Ihrem Amüsemang und freuen uns über jeden freundlichen oder frechen Kommentar, den Sie in den dafür vorgesehenen Bereich rotzen, also möchte ich Sie auch an dieser Stelle auffordern: Beteiligen Sie sich, geben Sie Rückmeldung, machen Sie mit! Denn ohne Leser, dem werden Sie zustimmen, wäre der Luschertempel nur das selbstreflexive Egoprojekt eines ichbezogenen Quatschmusikers. Und das wollen wir ja nun wirklich nicht, oder?

In diesem Sinne, guten Rutsch bzw. prost Neujahr, Ihr

Christian Luscher

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3 Antworten zu Jahresendansprache des Chefs

  1. Makoto schreibt:

    Ich mochte die Merkel-Gespräce am liebsten. Guten Rutsch Team und Leser!

  2. jen schreibt:

    Auch ich wünsche dem Tempelteam und den Lesern einen guten Rutsch! :o)

  3. retep schreibt:

    ich persönlich fand die telefonseelsorge am besten. so … authentisch :)
    frohes neues jahr den mit-tempellesern!

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