„Nudelsalat“ kommt!

Niemand von Ihnen hätte es für möglich gehalten, doch Luschers neues Album „Nudelsalat“, an dem er ganze drei Jahre gewerkelt hat, wird kommen! Und zwar nicht irgendwann, nicht nächstes Jahr, sondern, sozusagen als kleines Geschenk, an Weihnachten! Zuvor wird Luscher an jedem Adventssonntag ein neues, kleines Werk aus seinen unterschiedlichen Schaffensfeldern der Öffentlichkeit zugänglich machen: am 2. Advent ein Hörspiel, am 3. Advent eine Geschichte und am 4. Advent einen Weihnachtssong, der in der Tradition von „Giselher, der Weihnachtsaffe“ und „Weihnachten (steht vor der Tür)“ stehen wird. Am 24. Dezember wird es dann endlich soweit sein und Luscher wird sein Opus Magnum, die Schallplatte „Nudelsalat“, gemastert von niemand Geringerem als Zatzen himself, der Öffentlichkeit präsentieren, und zwar nicht für 20 Euro, nicht für 10 Euro, nein, für lau! Als Gratisdownload! Hier, im Tempel! Tja, jetzt sagen Sie nix mehr, Herrschaften. Wer mehr zur Entstehung dieses Albums und die Gründe, warum es mehr als drei Jahre lang in der Entwicklungshölle geschmort hat, wissen möchte, der klicke bitte!

Ein kleiner geschichtlicher Abriss zur Entstehung der Platte:

Anfang des neuen Jahrtausends konnte Luscher mit den Alben „Eine wundersame Reise um den Block“, „EROSionen“ und „Hybris“ sowie der Best-of-LP „Seine größten Erfolge“ große Erfolge erzielen. Luscher – durch Freunde davon überzeugt, dass Ehrgeiz nicht gleich Wahnsinn sei – wollte jedoch noch mehr erreichen. Der Produzent Terry Mälzer machte ihn mit dem Musiker Wayne Duncan bekannt. Duncan hatte bisher als Studiomusiker und Texter gearbeitet. Christian Luscher war von der Wortgewandtheit und dem Sprachstil Duncans zutiefst beeindruckt, aber vor allem dessen Texte imponierten ihm. Also gründete Luscher mit Duncan und dem Drummer Arnie Pups die Band „Bravado“. Luscher und Duncan hatten den mutigen Entschluss gefasst, ein „Konzeptalbum über Liebe, Leiden und Nahrungsmittel“ zu schaffen. Anfangs nannte Luscher das Projekt „Egosystem“, wenig später änderte er den Titel in „Nudelsalat“ um, da dieses Wort all die drei Aspekte beinhaltete, von denen das Album handeln sollte.

Um neue Inspiration zu erhalten, ließ Luscher in seinem Wohnzimmer einen Sandkasten um sein Keyboard herum errichten, damit er während des Musizierens mit den Füßen den Sand berühren konnte. Dies begründete seine „Keyboard in the Sand Box“-Ära.

Luscher und Duncan erstellten das Konzept für ein Album, das in drei verschiedenen Hauptteilen konzipiert sein sollte, die gemeinsam durch das Album flossen. Dazu versuchte Luscher, musikalisch die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft darzustellen.

Duncan brachte Luscher von den bisher für ihn üblichen Themen wie Tieren und dem Wetter weg, hin zu freien Wortassoziationen und elliptischen Bildern. Die Texte kreisten um die Kindheit, Adoleszenz, aber ebenso um die Kraft des Lächelns und den Wunsch nach einem unkomplizierten Leben. Das Konzept des Albums pendelte durch die verschiedensten Musikstile und brachte neben nicht ganz eingängiger Popmusik auch Einflüsse des Jazz, Bach, und Vaudeville mit sich. Untermauert wurden diese Stile mit Vibraphon, Elektro-Theremin, Party- und Arbeitsgeräuschen. Als Zentralpunkt dieses Werkes stand der Titel „Nur die Liebe fehlt“. Er zeigte die Hoffnung, die Träume, das Sein des Menschen und hatte die Aussage: Weg von den materiellen Gütern, hin zur Liebe.

Altes "Bravado"-Poster (v.l. Wayne B. Duncan, Christian Luscher, Arnie Pups)

Etliche Stücke wurden geschrieben. Luscher nahm mit Studiomusikern den Instrumentaltrack auf, anschließend ging „Bravado“ ins Studio, um den Gesang aufzunehmen. Darunter war auch der Song „Nudelsalat“, der immer wieder neu strukturiert und umgeschrieben wurde, so dass mehrere verschiedene unfertige Versionen existieren.

Das Stück „Lalalied“ war in seiner Erstfassung etwa zwölf Minuten lang und war in verschiedene Sektionen geteilt. Das Lied wurde im Dezember 2006 aufgenommen und war für Januar 2007 zur Veröffentlichung vorgesehen. Luscher war allerdings unzufrieden mit dem Stück und änderte es immer wieder um. Es kam zu Nachaufnahmen bis in den März 2007. Christian Luscher überkamen auch durch den kommerziellen Misserfolg von „Christian Luschers Hörspiele“ Zweifel und er fürchtete die Reaktion des Publikums auf „Nudelsalat“. Zudem legte er ein eigenartiges Verhalten an den Tag. Während der Aufnahmen zum Element Feuer wies er die Studiomusiker an, Feuerwehrhelme zu tragen und im Studio ein Feuer zu entfachen, da er durch den Rauch die richtige Atmosphäre schaffen wollte. Am Tag der Aufnahmen des Liedes brach in der Straße, in der das Studio lag, in einer Fabrik ein Feuer aus – wobei Luscher einige Jahre darauf erwähnte, dass er denkt, er sei durch seine Musik für das Feuer verantwortlich gewesen.

Christian Luschers kreativer Fluss wurde zudem immer wieder unterbrochen. Anfangs war Big Buck Records dem Projekt nicht ganz aufgeschlossen, danach war Luscher mit den Aufnahmen unzufrieden. 2007 lag Bravado schließlich im Streit mit der Plattenfirma. Neben der Verzögerung des Projektes ging es auch um die Verlängerung des auslaufenden Plattenvertrages und um Tantiemenzahlungen, die Big Buck Records Bravado noch schuldete.

Zudem kam es auch intern immer wieder zu Streitereien, vor allem durch Kritik von Wayne Duncan an Luscher. Während der Aufnahmen zu dem Titel „Nur die Liebe fehlt“, das er zusammen mit Rob Vegas ersonnen hatte, begann Luscher abermals einen Streit mit Duncan, der dessen Text kritisierte. „Ich hab ein Haus und ’n sprechenden Hund“, las Duncan ihm vor. „Erklär mir das, was bedeutet das?“ Luscher fühlte sich in die Defensive gedrängt und erklärte Duncan daraufhin, dass der Text überhaupt nichts bedeute. Nach einer heftigen Auseinandersetzung verließ Duncan das Aufnahmestudio. Luscher beendete die Partnerschaft mit Duncan, und die beiden kreativen Köpfe hinter dem Projekt gingen unverrichteter Dinge auseinander. Arnie Pups beging kurzerhand Selbstmord.

Als Big Buck Records das Album im Juni 2007 veröffentlichen wollte, hatte Helge Schneider bereits „I Brake Together“ auf den Markt gebracht, was eine direkte Antwort auf Luschers „Seine größten Erfolge“ war. Da „Nudelsalat“ auch Ähnlichkeiten zu „I Brake Together“ aufwies, fürchtete Christian Luscher zudem, von der Musikwelt als Nachahmer angesehen zu werden.

Die fertigen „Nudelsalat“-Tonbänder verschwanden. Christian Luscher behauptete viele Jahre, er habe die Bänder in seiner Enttäuschung zerstört – mit der Absicht, eine Veröffentlichung unmöglich zu machen. Jahre später stellte sich aber heraus, dass Luscher es nicht über das Herz gebracht hatte, die fertigen Aufnahmen zu zerstören und es viele fertige Bänder sowohl in den Archiven von Christian Luscher als auch seiner damaligen Frau Juliette Mamelon gab.

„Nudelsalat“ sollte als „größtes verlorenes Album“ in die Rockgeschichte eingehen und wurde so zum Mythos.

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12 Antworten zu „Nudelsalat“ kommt!

  1. Zatzen schreibt:

    na egal, ich bin einer der alten Gilde und bekomme nen Stapel CDs davon …
    Jedem Dierche sing Pläsierche

  2. lars schreibt:

    Ich bin auch für mp3 und freue mich auch schon auf das neue Hörspiel! :)

  3. martin schreibt:

    bitte weiterhin mp3s nehmen. CDs sind SOOO nineties!

  4. tiffy schreibt:

    mp3 ist definitiv besser. wer braucht denn heute noch cds? ;)

  5. Lutennent schreibt:

    @Zatzen: also ich bin mit gratis-mp3 völlig zufrieden ^^

    bin gespannt!

  6. Zatzen schreibt:

    hier mal eine vermarktunstrendtechnische umfrage:
    wer bevorzugt es, dieses album als cd in den
    händen zu halten, und wer belässt es lieber dabei,
    es sich als mp3 runterzuladen?

  7. Rob Vegas schreibt:

    der luscher ist einfach ein viel zu unterschätztes genie

  8. bubba gump schreibt:

    heh, ich weiß, wo du die geschichte des albums herhast…

    SMiLE!

    ansonsten: ich freu mich drauf :)

  9. Rumpel schreibt:

    da bin ich ja mal gespannt. ist natürlich klar, dass das album niemals den hohen erwartungen entsprechen kann ;)

  10. tiffy schreibt:

    supi! hätte nicht gedacht, dass du dich noch mal zusammenreißen würdest dafür. was hat dich denn bewogen daran weiterzumsachen?

  11. martin schreibt:

    das ich das noch erleben darf ;)

  12. Lita schreibt:

    omg ja!

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