Kommentar zur Bundestagswahl 2009

Sohn seiner Klasse

Was sagt man dazu? Beinahe wäre eines der wichtigsten bundesdeutschen Ereignisse dieses Jahres unerwähnt am Luschertempel vorübergegangen! Glücklicherweise haben wir es nach langem Zureden geschafft, unserem Herrn Luscher eine Message ans Wahlvolk aus den Rippen zu leiern. Das folgende Statement hat der Chef uns, betrunken auf seinem Kanapee liegend, in unser Diktiergerät gelallt.

„Verehrte Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, Ihnen etwas über Demokratie zu erzählen. Demokratie, liebe Freunde, ist gut und wertvoll. Demokratie ist das höchste Gut, das wir Menschen auf Gottes grüner Erde haben. Deshalb fordere ich Sie hiermit alle auf, bei der Bundestagswahl Ihre Stimme abzugeben. Denn nur so funktioniert Demokratie. Wo kämen wir hin, wenn am Wahlsonntag einfach alle zu Hause blieben, weil sie sich zu fein zum Wählen wären? Ich sage Ihnen, wo wir da hinkämen: nirgendwohin! Wer, gerade in diesen schlechten Zeiten, von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch macht, ist, bei allem Respekt, ein ganz schlimmer Hund. Je geringer die Wahlbeteiligung, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, desto blöder der Staat, der dabei rauskommt. Mit Tränen der Nostalgie erinnere ich mich an die Zeiten zurück, in denen wir in Deutschland eine Wahlbeteiligung von über 99 Prozent hatten. Wir alle wissen, dass die Regierungen, die wir in jenen Tagen hatten, die besten waren, die man überhaupt haben kann. Das ist das Wunder der Demokratie. Nun kenne ich natürlich die Argumente der sogenannten ‚Nichtwähler‘. Die Parteien seien gar nicht mehr zu unterscheiden, behaupten sie mit ihren charakteristischen näselnd-weinerlichen Stimmen. Die da oben tun doch sowieso das machen, wo sie wollen. Das ist natürlich reine Mäusescheiße. Wer zwischen den Parteien keine Unterschiede findet, ist nur zu faul zum Suchen. Natürlich, oberflächlich gesehen wirken die politischen Parteien wie ein ahnungsloser, machtbesessener Klüngel mit verblendeten, dümmlichen Ansichten. Wer aber etwas genauer hinsieht, wird noch hinter dem korruptesten Opportunistenpolitiker eine zerbrechliche menschliche Seele erkennen, eine zarte Blüte, ein kindliches Gemüt, von dem edlen wie simplen Wunsch erfüllt, seine Landsleute so zu regieren, wie ihm gesagt wird, dass es gut für sie sei. Um nicht mehr bitten diese Menschenwesen, als dass Sie alle paar Jahre ein Kulikreuzchen auf ein Blatt Papier machen, um die Sicherheit zu haben, dass sich überhaupt jemand dafür interessiert, was sie tun. Wollen wir ihnen diese Bitte wirklich abschlagen? Natürlich wollen wir diesen Herrschaften zur Macht über uns verhelfen. Darum sage ich Ihnen hiermit: Gehen Sie wählen. Sie wollen es doch auch. Denken Sie nicht lange drüber nach, machen Sie es einfach. Drücken Sie diesen Menschen das Steuerrad unseres Staates in die Hand, gerade weil sie es gar nicht für nötig erachten, uns zu sagen, wohin sie überhaupt mit uns fahren wollen. Genau dafür wählen wir sie ja. Damit sie uns diese Kursentscheidungen abnehmen. Und Kursentscheidungen wird es demnächst viele geben, lassen Sie sich das gesagt sein. „Die Menschheit steht derzeit an ihrem wichtigsten Scheideweg“, erläutert der Göttinger Politologe Allen Stewart Konigsberg. „Einer der Wege führt in Verzweiflung und äußerste Hoffnungslosigkeit, der andere zu unserer völligen Auslöschung. Beten wir, dass wir die Weisheit haben, die richtige Wahl zu treffen.“ Und die Wahl haben Sie. Gehen Sie zur Wahl, Demokrat! Egal, wie Sie sich entscheiden, entscheiden Sie sich. Sich nicht zu entscheiden, ist keine Entscheidung. Nur sich zu entscheiden, ist die richtige Entscheidung. Wofür Sie sich entscheiden, ist zweitrangig. Aber entscheiden Sie sich, Herrgottnochmal! Wir leben in einer Demokratie, Sie Ignorant!“

(Die Meinung des Herrn Luscher muss nicht der Meinung des Tempel-Teams entsprechen.)

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3 Antworten zu Kommentar zur Bundestagswahl 2009

  1. Tempel-Team schreibt:

    @Käsehund: Das ist nicht korrekt. Herr Luscher hat sehr wohl gewählt, und zwar CSU, obwohl die in seinem Bundesland gar nicht zur Wahl standen. Er tat das, weil er, wie er uns erklärte, es nicht länger dulden will, dass die CDU so großherzig zum Bodensatz unserer Gesellschaft (alleinstehende Mütter, Behinderte) ist und er es nicht einsieht, dass diese feinen Herrschaften sich von seinem sauer verdienten Geld einen schönen Lenz machen sollen. Deshalb hat Herr Luscher allen Ernstes das „D“ auf seinem Wahlschein in ein „S“ umgewandelt und es angekreuzt, natürlich nicht ohne noch ein paar, wie er es nennt, „sozialkritische Statements“ draufzukritzeln. … Ach, fragen Sie nicht.

  2. Käsehund schreibt:

    das heißt herr luscher ist selber nichtwähler? erwischt!! ;o)

  3. MilhouseX schreibt:

    ähhh ihr wisst aber schon das die wahl schon seit tagen vorbei ist?

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